Trautonia Capra

ist eine aus Wien stammende Sängerin, Thereministin und Performance-Künstlerin. In ihrer Wahlheimat Hamburg komponiert und produziert sie ihre Musik im eigenen Tonstudio, beschäftigt sich mit Songwriting und Sounddesign, sowie der Realisierung ihrer mannigfaltigen Live- und Studioprojekte.

Das Theremin wurde in den 1920er Jahren von dem russischen Wissenschaftler Leon Theremin erfunden. Es ist eines der ersten elektronischen Musikinstrumente. Besonders faszinierend am Theremin ist, dass man es spielt, ohne es zu berühren. Trautonia Capra ist mit ihrem Instrument eine bekannte Größe im Pop- und Experimentalbereich. Sie spielt auch klassische Musik im European Theremin Chamber Ensemble, gibt Unterricht und arbeitet als Co-Autorin der Virtuosin Carolina Eyck an einem Lehrbuch für das Instrument. 

 

Druntersberi

 

Ein elektroakustisches Triptychon unter dem Weinberg

  

Die Pulkautaler Ui-Mundart inspirierte mich zu diesem Titel.

Die Wortschöpfung Druntersberi spielt mit dem Begriff Entersberi -  Jenseits des Berges.

Ich möchte aber nicht schauen, was hinter dem Berg liegt, sondern mein elektroakustisches Abenteuer genau hier suchen. In der geheimnisvollen Welt unter dem Hutberg.

Druntersberi – unter dem Weinberg – reift der Wein. Aber auch Geschichten, Geheimnisse... alles Schätze die gehoben werden wollen.

 

Die Form des Akustischen Triptychons wählte ich, weil im Weinkeller eine konstante Temperatur von 15°C herrscht. Dies möchte ich meinen Zuhörern nicht länger als jeweils eine Viertelstunde zumuten. Deshalb besteht die Performance aus drei kurzen, über den Tag verteilten Einheiten. Das Wort Triptychon stammt nicht aus der Musik, sondern aus der Bildenden Kunst. Gleichwohl ist die Performance, als akustische Abbildung des Ortes ein Gesamtkunstwerk. Drei gleichwertige Klangbilder ergänzen und bedingen sich gegenseitig, stehen aber jedes für sich als eigenständiges Werk.

 

Meine Affinität zu geheimnisvollen Orten führte mich in die Kellergasse von Haugsdorf.

Durch eine zufällige Begegnung mit dem Winzer Michael Sailer im Zug nach Wien entstand die Idee, in einem der schönen alten Weinkeller eine Performance aus den Klängen und Geschichten des Ortes aufzuführen.

  

In zahlreichen Gesprächen und Field-Recording Sessions sammelte ich Geschichten und Klänge aus dem Weinberg und der geheimnisvollen Welt darunter.

In den Kellergassen, Presshäusern, Weinbergen und Kellern entdeckte ich außerdem die die Ui-Mundart und die Pulkautaler Musik.

Mein Interesse gilt nicht einem detailgetreuen Portrait, sondern einer Elektroakustischen Hommage an diesen wunderbaren Ort, basierend auf einer Momentaufnahme. Dies ist weniger vergleichbar einer Fotografie, als mit einer Collage, einem abstrakten Gemälde – oder vielleicht sogar einem Traum.

  

Unterschiedlichste Eindrücke werden in ihre Einzelteile zerlegt, verfremdet, völlig neu zusammengefügt. Dadurch erscheint vieles in einem irisierenden, unerwarteten Kontext. Anderes wird unsichtbar - oder vielleicht sogar umso deutlicher sichtbar gemacht.

Kaum wahrnehmbar leise Töne werden bis hin zum Lärm hochkomprimiert, während der ursprünglich aufgenommene Klang in den Hintergrund rückt.

Die Geräusche des Ortes, Lärm, Sprache, Musik– all das wird verwoben zu einer abstrakten Klangkollage, aus der sich neue, eigene Songstrukturen entwickeln. Aus den gesammelten Geschichten und Interviews fügen sich Liedtexte zusammen.

Die Klänge werden immer weiter verfremdet, bis sie das Unhörbare hörbar machen.

Eine Verzerrung, Verschiebung, Unterbrechung, Wiederholung, ein leichtes Vibrato... Der Geheimnisvolle Nachhall hinter den alltäglichen Klängen lässt diese vielleicht ein nie geahntes Geheimnis preisgeben. Streichen wir zum Beispiel sanft über die Lößwände der Keller. Erklingt nicht hinter dem Rieseln des Sandes ganz ganz leise das Rauschen eines vor Jahrtausenden versiegten Ozeans?